Danke / O-Team

Theaterhaus Jena, 2012 (english text below)

Ich bedanke mich für alles

von Prem Kavi
aus dem Sanskrit übertragen von Alexej Schipenko und Anna Langhoff

2012 soll bekanntlich die Welt untergehen. Da stellt sich die Frage auf welche Art und Weise natürlich. Und ebenso natürlich auch, was im Zusammenhang dieses Unterganges „Welt“ bedeutet. Also, wie weg das sein wird, was man kennt, ob alles weg ist, und wie wir das empfinden, wo wir uns dann befinden werden.
Die Szenerie: Eine Turnhalle. Ein Basketballkorb. Nur einer. Das ist der Unterschied. In der Halle 40 Leichensäcke. 40 Tote. 27 Männer. 9 Frauen. 4 Kinder. Die drei Varianten menschlichen Lebens sind nicht kompatibel. Absicht des Herstellers? Mit dem Hersteller haben sie es oft, die beiden Kundschafter, die offenbar in dieser Halle die Antwort auf diverse ungeklärte Fragen suchen, die Zeit vor der Katastrophe betreffend, somit die Menschheit an sich, ihre Regeln und Lebensprinzipien. „Hier bedankt man sich für alles.“ Eine Motorradfahrerin betritt das trostlose Gräberfeld. Ob sie Licht ins Dunkel bringt? Maria Magdalena. Zwischen 39 anderen Leichensäcken spielen sie die Überlieferung der Grablegung durch. Nichts ergibt Sinn. Und alles.
Die Frage nach dem Jüngsten Gericht ist oft gestellt worden. Und auch hier ist es diese Frage, die gestellt wird. Doch nicht nur als Glaubensfrage im eschatologischen Sinne, sondern im existenzialistischen, aus differenztheoretischer Perspektive und und und. Alles kondensiert in einer Formulierung. Scheinbar im Vorübergehen an die Turnhallenwand gekrakelt: „GODISNOWHERE“, je nachdem wo und wie viele Leertasten man einfügt, kann das bedeuten „Nirgends ist Gott“ oder „Gott ist jetzt hier“. Jetzt und Hier. Von einem „Zeit-Schrägstrich-Raum“ reden sie immer egal, welche Position sie einnehmen. Sie befinden sich in der „ultimativen Wirklichkeit“. Das Jenseits ist anderswo. Außerhalb der Turnhalle.
Das Ganze lebt vom Paradoxen. Von der Absurdität. Davon, wie mit Erwartungshaltungen umgegangen, wie mit Ritualen gespielt wird. Und Rituale gibt es überall. Besonders aber da, wo das Unerklärliche den Glauben auf den Plan ruft. Prem Kavis Kosmos entfaltet sich außerhalb unserer raum-zeitlichen Logik. Sein Stück spielt in einer selbsternannten „ultimativen Wirklichkeit“, also sozusagen nach der Zeit.
Nach „Bienen“ setzt das freie Theaterkollektiv O-Team die Arbeit rund um das Thema Weltuntergang fort. Während „Bienen“ am Vorabend des 21. Dezember, also sozusagen kurz vor Ende unserer Welt spielt, spielt „Ich bedanke mich für alles“ am 22.12.2012 und begibt sich auf eine Recherche in Richtung Jenseits.

Premiere: 26. Oktober, Theaterhaus Jena
Eine Produktion von O-Team mit dem Theaterhaus Jena.

Mit Folkert Dücker, Ella Gaiser, Benjamin Mährlein und Mathias Znidarec
Text: Prem Kavi, Alexej Schipenko, und Anna Langhoff
Regie: Samuel Hof
Dramaturgie: Simon Meienreis & Jonas Zipf
Bühne/Kostüme: Nina Malotta
Sound- und Videodesign: Pedro Pinto

The end of world will be, as is generally known, in 2012. Now the question is how this will happen. And what does „world“ mean in relation to this ending? Will everything be gone away? And then, how do we feel?
The setting: A gym. A basketball basket. Only one. That makes the difference. In the gym 40 body bags. 40 dead persons. 27 men, 9 women, 4 children. The three types of human life are not compatible. Did the producer mean this. They talk about the producer many times, these two scouts, who are obviously searching for the answers to a lot of outstanding issues, concerning the time before the disaster, concerning humankind itself, it´s rules and it´s principles of living. „In here you are thankful for everything“. A female motorcyclist is entering the dreary burying place. Is she able to bring some light into the dark? Maria Magdalena. Between the 39 body bags they re-enact the tradition of Christ´s burial. Nothing makes sense. And everything.

The question about the last judgment was posed a lot of times. And also here this question is posed. In the religous context of eschatology as much as in the context of existantialism or in the perspektive of Difference Theory. It is condensed in one phrase, apparently scrawled on the wall of the gym: „GODISNOWHERE“. Depending on where and how many space bars are put, it could be „god is nowhere“ or „god is now here“. Now and here. They always talk about the „time-slash-space“. They are in the “ultimate reality”. Afterlife is elsewhere. Outside the gym. The whole thing is based on absurdity. On how is dealt with expectations, played with rituals. And rituals are everywhere. Especially where the unexplainable calls for belief. This cosmos unfolds beyond our logic of space and time. This is the “ultimate reality”. This is after time.