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Dunkeltheater nach Philipp K. Dick

Betaville

 

Blade Runner lebt auf Messers Schneide. Er nennt sich Rick Deckard und geht dem brutalen Beruf nach, außer Kontrolle geratene Androiden, sogenannte "Replikanten" aufzuspüren und zu töten. Abgestumpft und desillusioniert lebt er vor sich hin, als ihn ein Auftrag ereilt, der sogar seine Welt auf den Kopf stellt.

Betaville: die Metropole der Zukunft, ein Moloch aus übereinander getürmten Verkehrswegen, ein Dickicht aus verrostenden Stahlkonstruktionen, ein Dschungel aus asiatischen Nudelbratern und amerikanischen Zeitungsjungs. Wer kennt sie nicht? Die dystopische Sicht auf die Mega-City aus Ridley Scotts bzw. Philipp K. Dicks "Blade Runner". Diese Stadt ist ein Raum der Grenzziehungen: zwischen dem luftigen Oben und dem schmutzigen Unten, zwischen einem halbwegs geborgenen Innen und einem lebensbedrohenden Außen, zwischen emotionalen Menschen und gefühlskalten Androiden.

Mit Betaville verlegt das Theaterkollektiv O-Team das Geschehen aus "Blade Runner" in den Dachstuhl eines Berliner Plattenbaus. Sie knüpfen an ihre Solaris-Bearbeitung von 2005 an und knipsen das Licht aus. Die Zuschauer werden von blinden Einlassern in die komplette Dunkelheit eines Raums geführt, dessen Grundriss sie nicht kennen. Der Text vermittelt sich ihnen als haptisches Live-Hörspiel: Schauspieler bewegen sich anhand eines unsichtbaren Leitsystems durchs Dunkel; Musik, Geräusch und Text werden live produziert und zusätzlich vom Band eingespielt.

Die überwältigenden Bilder der Science-Fiction werden der Fantasie des Zuschauers, oder besser: Zuhörers überlassen. Betaville ist für ihn einen Erfahrungstrip, ein Selbstexperiment, eine Reise ins eigene Unbewusste: Er kann sich der Situation ebenso wenig entziehen, wie Deckard seiner Angst vor der nächsten Replikanten-Mission.

 

 

Premiere am 29. April 2011 

in einem Dachboden am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin

Wiederaufnahme im Theaterhaus Jena 

eine Koproduktion zwischen O-Team und dem Theaterhaus Jena

mit freundlicher Unterstützung des Vereins zur Förderung von Kunst und Kultur am Rosa-Luxemburg-Platz e.V.

 

Mit Elena Garcia Gerlach, Steffen Klewar und Mathias Znidarec

 

Textfassung & Regie: Jonas Zipf

Musik: Lenard Gimpel

Raum: Samuel Hof