Treffpunkt Golgatha Flash-Slideshow

Premiere am 23. Mai 2008 in den ehemaligen Bürogebäuden der Infineon AG, Neue Balan München; in Kooperation mit der Bayerischen Theaterakademie und der Neue Balan - Allgemeine SÜDBODEN Grundbesitz Verwaltung GmbH

treffpunkt golgatha

Für Treffpunkt Golgatha gab es zwei wesentliche Ausgangspunkte. Zum einen beschäftige uns die autistische Grundatmosphäre in Samuel Becketts Romantriologie „Molloy – Malone stirbt – Der Namenlose“. Zum anderen fanden wir mit dem ehemaligen Verwaltungsgebäude der Firma Infineon in der Balanstraße München den passenden Ort, um das Thema Identitätsverlust an einem architektonischen Beispiel aufzuhängen. Bei der Arbeit mit mehreren bildenden Künstlern aus München, Berlin und Stuttgart ging es uns darum die noch vorhandenen Identitätsspuren mit einer eigenen Fassung des Beckett-Textes zu konfrontieren. Auf vier Etagen wurden so über das gesamte Gebäude hinweg Räume aus vorgefundenen Materialien installiert, die später drei Schauspielern und einer Sängerin als Bühnenbild dienten und in dem die Zuschauer sich etagenweise frei bewegen konnten. Die lebensfeindliche Umwelt, die sowohl die Romane, als auch das Gebäude ausmachte, bildete sich in autistisch-repetitiven körperlichen Mustern ab. Diese Muster zogen sich zusammen mit stetig wiederkehrenden Bild- und Klangmotiven durch den gesamten räumlichen und szenischen Parcours. Der Text wurde als Performanceanweisung für vier Darsteller konzipiert. Unsere Fassung beinhalte ausschließlich körperliche Handlungsanweisungen. Becketts Textpassagen wurden allenfalls assoziativ verwendet. Während der Probezeit entstand durch Improvisationen dagegen ein eigener, dem Thema Identitätsverlust entsprechend von den Persönlichkeiten der Darsteller durchtränkter Text. Alle Ebenen arbeiteten zunächst vollkommen unabhängig voneinander. Sie wurden erst in der letzten Probenphase zusammen geführt. Diese Vorgehensweise des szenischen trackworking generierte für uns selbst überraschende Begegnungen zwischen den einzelnen künstlerischen Ausdrucksebenen. Zudem diente sie als inhaltliche Klammer: Als zentrale Metapher wurde das Gebäude als Kopf einer Person begriffen. Die einzelnen Darsteller und Installationen stellten Aspekte ein und desselben Charakters vor: Sei es in verschiedenen Altersstadien (von jung bis alt) oder in einzelnen Abstufungen einer räumlichen Entwicklung (von hell zu dunkel; von ordentlich zu chaotisch). Die Fraktale der Musik setzten sich auf der obersten Etage in vollkommener Dunkelheit schließlich zu einem ganzheitlichen Erlebnis zusammen.

 

Mit: Julius Bornmann, Uwe Schmieder, Dietrich Kuhlbrodt, Miriam Arens

Team: Jonas Zipf (Regie), Luitgard Hagl (Dramaturgie), Samuel Hof (Raum, Licht), Jelena Nagorni (Raum, Licht), Arash Safaian (Musik), Marc Eberhard (Kostüme), Aron Kitzig (Video), Natascha Zimmermann (Produktionsleitung), Julia Huber (Hospitanz), Roman Scheffner (Technische Leitung) Norbert Strauß (Ton), Samuel Dalferth (Sounddesign), Markus Nießner (Grafik)

Installationen: David Allen, Ole Aselmann, Anna Gohmert, Fabian Hesse, Patrick Timm, Julia Wallner, Yassu Yabara